Equalitydancing in Dresden - Interview mit Beate Fricke
Du trainierst seit Anfang Januar eine Breitensportgruppe von Männer- und Frauenpaaren in Dresden. Wie kommt das Angebot an?
Um ehrlich zu sein, war und bin ich überwältigt von der guten Resonanz. Im Dezember letzten Jahres haben wir einen Schnuppernachmittag organisiert, an dem über 20 Personen teilgenommen haben. Seit Anfang Januar begrüßen wir nun regelmäßig 8-10 Paare im Training , die alle sehr motiviert und wissbegierig sind. In Dresden gibt es sonst keine Möglichkeit, regelmäßig gleichgeschlechtlich zu trainieren, insofern war dies eine Lücke, die es nun zu füllen gilt.
Euer Training ist montags bei einem Verein mit eigentlich gemischtgeschlechtlichen Paaren. Wie reagieren denn die sächsischen "Normalos" auf deine Truppe?
Wir, das heißt unser Organisationsteam mit 3 Leuten und mir, hatten im
Vorfeld ein Gespräch mit dem Sportwart des TSK (Tanzsportklub Residenz).
Dass dies so gut und konstruktiv gelaufen ist, hatte zum einen mit
unserer guten Vorbereitung zu tun, andererseits auch damit, dass ich den
Sportwart bereits sehr lange kenne. Wir haben klar formuliert, was wir
wollen. Im Endeffekt hatte ich den Eindruck, dass auch er erleichtert
war, da es so unkompliziert gelaufen ist. Mit dem weiteren Vorstand
sind wir in engem und gutem Kontakt. Berührungsängste habe ich bisher
nicht gespürt. Parallel zu unserer Gruppe läuft ein Turniertanztraining
der D/C-Klassen. Interessanterweise ist die dortige Gruppe nur etwa halb
so groß wie die unsere... :-)
Die Neugier hielt sich bisher in
Grenzen. Ich habe den Eindruck, der Verein freut sich über das neue
Angebot und bewirbt das auch auf der Internetseite. Zudem sind natürlich
die vielen neuen Mitglieder auch nicht zu verachten... Wir werden sehen,
wie sich das weiterentwickelt, aber bisher bin ich da sehr guten Mutes.
Hattest Du eigentlich Schwierigkeiten, einen Saal für Euch zu bekommen?
Sagen wir mal so, meinen favoritisierten Saal (den größten) haben wir
nicht bekommen. Der ist jeden Tag verplant, und da die Termine alle bereits
feststanden, hatten wir keine Möglichkeit mehr, dort mit "rein zu
rutschen". Es gibt zwei weitere kleinere Räume, von denen wir einen
jetzt nutzen können. Bei 10 Paaren ist dabei allerdings die
Kapazitätsgrenze schon mehr als erreicht. Das ist ein Problem, welches
noch zu lösen gilt. Momentan tanzen wir im Standard eben in zwei
Gruppen... :-)
Eine gute Möglichkeit ist, dass die Paare jederzeit zum freien Training
auch den großen Saal nutzen können. Die Schlüsselregelung ist da sehr
unkomplizert.
Das Angebot firmiert unter Queerballroom. Wie lange gibt es euch schon und bietet ihr auch abseits des Training Tanzabende ab?
Die Frage gebe ich gern an die Gründer Queerballrooms, Hans-Jürgen und Sven, ab:
Nachdem wir 2 Jahre fast jeden Sonntag zum Tanzkurs ins WalzerLinksgestrickt nach Berlin gefahren sind, wollten wir auch in Dresden regelmäßige Tanzmöglichkeiten im Equalitybereich schaffen. So gründeten wir 2006 QUEERBALLROOM. Wir organisierten Tanzübungsabende und Tanzkurse und lernten so Beate kennen. Mit dem Schritt zur Breitensportgruppe sind wir unserem Ziel wieder einen großen Schritt näher gekommen. Natürlich freuen wir uns auf den Tag, an dem QUEERBALLROOM auch bei Tanzturnieren teilnimmt. Aktuell informieren wir über regionale Tanzmöglichkeiten auf unserer Homepage.
Was rätst Du anderen Engagierten, die auch eine Equality-Trainingsgruppe aufmachen wollen?
In erster Linie braucht man Mitstreiter, die mit einem zusammen an einem Strang ziehen. (Vielen vielen Dank an Undine, Hans-Jürgen und Sven!!! Ohne euch hätte ich manches Mal schon alt ausgesehen... :-) ) Dann ist es wichtig, wirklich genau zu formulieren, was man möchte und was eben auch nicht, wieviel Kompromisse geht man ein, wo verhandelt man, wo nicht...
Was sicher auch hilfreich ist, sich im vorhinein zu erkundigen, welche Angebote es in dieser Richtung bereits gibt. So kann man dort auf möglicherweise auf Erfahrungen anderer zurückgreifen...
Natürlich ist auch die eigene Motivation unverzichtbar. Mir persönlich macht es einfach soviel Spaß zu unterrichten und das sollte, meiner Meinung nach, auch immer in einem Training vermittelt werden.
Ich denke, auch die Offenheit und Toleranz gegenüber den "Normalos", wie du so schön sagst, ist ungemein wichtig. Viele sehen Equalitypaare das erste Mal und sind einfach erstaunt und vielleicht auch verunsichert. Das ist nur natürlich. Da, denke ich, muss auch ein Verständnis bei uns da sein. Zumindest oder gerade Sachsen steckt man da noch sehr in den Kinderschuhen...
Du bist Trainerin, tanzt selbst gern und bist auch als Wertungsrichterin bei Tanzturnieren, färbt das schon auf Deinen Sohn ab?
Grins :-) , noch nicht...da stehe ich in starker Konkurrenz mit Papa, der mit Wandern, Klettern und Rad fahren wirbt... Aber wir warten einfach mal noch ein, zwei Jahr und sehen dann weiter. Musik mag er zumindest schon sehr. Sobald das Radio angeht, zappelt er los. Auch mit Rasseln und Klappern ist er liebend gern beschäftigt - Also, ein gutes Zeichen ;-)
Darf man denn auf ein oder zwei neue Paare aus Dresden bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover hoffen?
Kurz gesagt: mittelfristig auf jeden Fall - kurzfristig wohl noch nicht! Ich möchte die Paare nicht unter Druck setzen und der Respekt vor Turnieren ist bei den meisten recht groß. Für Hannover stehen wohl eher die Zuschauerreihen an. Ich denke und hoffe, das sich bis Juni in Berlin oder zu den Gay Games in Köln eventuell ein paar Paare entscheiden, mal echte Turnierluft zu schnuppern. Ich werde ihnen jedenfalls mit Tat und Kraft zur Seite stehen!
Dresden hat ja touristisch einiges zu bieten. Daher die Schlußfrage: Wann gibt es das erste Equality-Turnier in der sächsichen Landeshauptstadt?
Natürlich ist Dresden immer eine Reise wert, auch ohne Equalityturnier... Wir vermitteln auch private Stadtführungen... :-) Grundsätzlich steht der Verein, selbst erfahren im Ausrichten von Turnieren, der Idee offen gegenüber (da habe ich schon einmal vorgefühlt). Ich denke, wenn sich Queerballroom fest etabliert hat und die Paare sich andere Turniere angeschaut haben, können wir auch ein eigenes in Angriff nehmen. Das bleibt im Hinterkopf!
Liebe Beate, wir danken für das Gespräch.
Das Interview führte Heiko Ehrig
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