... und noch eine Generalprobe – die 16. Berlin Open



16-67-11-3 das klingt nicht unbedingt nach den Idealmaßen eines Models und auch nicht nach dem Jackpot im Samstaglotto, so klingt die sehr erfolgreiche Bilanz von pinkballroom & dem btc Grün-Gold Berlin in der TiB 1848 e.V.

 

Zum 16. Mal fanden am 23.4.2016 in Berlin am Columbiadamm die Offenen Berliner Meisterschaften in den Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen der Frauen- und Männerpaare statt. 67 Paare aus 11 Ländern von 3 Kontinenten fanden den Weg in die deutsche Hauptstadt. Die Organisator_innen hatten wieder alles Mögliche und Unmögliche möglich gemacht, damit dieser Tag ein perfekter wird. Dem aufmerksamen Beobachter ist sicherlich nicht entgangen, dass die Pinkis dieses Mal auf sich allein gestellt waren. Kein Turnierleiter, Beisitzer oder Protokollant, der oder die nicht aus den eigenen Reihen stammte (Turnierleitung: Torsten Reulen, Beisitzer: Andreas Schöpp, Protokoll: Antje Wähner). Nur den Chairman hatte man aus Ungarn entliehen (noch etwas unsicher: Csaba Csetneki). Routiniert führten Sonja Krulle und Gerd Theerkorn durch die Veranstaltung, mit sicherem Geschmack für die richtige Musik am Mischpult: Andrea Schlinkert. Als eingeweihter Beobachter hatte man immer das kommende Jahr im Hinterkopf: Im Juli 2017 richtet Pinkballroom die Europameisterschaften aus. Gerade deshalb bemühte man sich, alles perfekt und richtig zu machen. Gar nicht so einfach, denn die Fettnäpfchen lauern überall: Gerd kündigte euphorisch 67 Paare von 10 Kontinenten und aus 3 Ländern an. Das Damenduo, das für die Siegerehrungen zuständig war, hatte es auch nicht leicht: Die kleinen Glasbärchen für die Berliner Meister_innen in den Klassen D–B, die Großen für die Meister_innen in den A-Klassen. Große Schokoladenbärchen für die 3 Platzierten und dann noch Medaillen. Da konnte es schon mal passieren, dass die Medaille mit der "Eins" am Hals der Drittplatzierten landete und unauffällig ausgetauscht werden musste.

Für die Wertungsrichter_innen hatte man sich dieses Mal etwas besonderes ausgedacht: Der Veranstalter stellte keine Krawatten und Schals zur Verfügung (angeblich steht in irgendeiner internationalen Turnierordnung, dass die Offiziellen ein solches "Kleidungsstück" des Veranstalters tragen müssen, damit ihre Kreuzchen auch wirklich gültig sind). Es gab für die Damen und Herren pinkfarbene Hüte, die dann auch mit erhobenen Häuptern getragen wurden. An dieser Stelle dann auch schon mal unser herzlicher Dank an Anita Eggert (Berlin), Jes Christophersen (Lütjenburg), Sbylle Hänchen (Berlin), Kristian Vellejus (Dänemark), Andreas Neuhaus (Bremerhaven) und Peter Rach (Mömbris), die für klare Entscheidungen und auch für reichlich Diskussionsstoff gesorgt haben.


 

An dieser Stelle wäre jetzt der Platz, um über die herausragenden und nicht ganz so herausragenden sportlichen Leistungen unserer Tänzer_innen zu berichten. Ein Blick in das Programmheft und die Reaktionen der social Media, bewegen den Autor aber wieder dazu, sich ein paar Gedanken über unseren Sport und einige Entwicklungstendenzen zu machen. Ich hatte schon erwähnt, dass alle Organisator_innen bestrebt waren, ein perfektes Turnier auf die Beine zu stellen. Dazu gehören auch klare Regeln. Da die Turniersportordnung des DVET noch eine Weile auf sich warten lässt, reguliert man noch den Roules der ESSDA. Diese sind klar, lassen aber auch einen gewissen Spielraum zu. Beim Publikum und bei den beteiligten Tänzern in den Lateinamerikanischen Tänzen der Männer führte die Entscheidung der Turnierleitung nur zwei Startklassen (C und B) zuzulassen doch zu Irritationen. Mit Gill Hoxer und Esben Weiergang wurde ein Spitzenpaar degradiert. Zumal sie in der Sichtungsrunde eindeutig als einziges Paar in die A-Klasse gesichtet wurden. Nur nach intensiven Diskussionen und Interventionen konnte man sich auf einen tragfähigen Kompromiss einigen. Aus unserer Sicht hat jedes Paar ein Recht darauf, in der Klasse zu starten, in die es gesichtet wurde. Und unter uns gesagt: Auch das Publikum hat ein Recht darauf, eine A-Klasse zu sehen, selbst wenn da nur zwei Paare antreten. Und keinem hätte es weh getan, wenn man den gesichteten Startern in der B-Klasse einen zusätzlichen Pasodoble gegönnt hätte.

Allen, die es bis jetzt noch nicht getan haben, möchte ich die Lektüre eines Artikel im Programmheft empfehlen "Equality Dancing – Von der Gleichheit". Eine sehr persönliche und kritische Sicht von Lula Witzescher auf Entwicklungen in unserer Sportart. Einige davon sind sicherlich nicht mehr aufzuhalten, andere sollten aber in einem breiten Rahmen diskutiert werden, damit wir nicht unbedingt gleicher als gleich werden. Wer das Programmheft nicht mehr besitzt,kann den Text heir nocheinma nachlesen: http://www.pinkballroom.de/blog/?page_id=3405

Die letzten Turniere auf deutschem Boden zeichneten sich durchaus auch dadurch aus, dass wieder eine breite Basis, sprich viele Teilnehmerinnen (hier verzichtet der Autor bewusst auf das Gender-Gap) in den D-Klasse starteten. Damit wir hier noch mehr Begeisterte (hier verzichtet der Autor bewusst auf das _innen) gewinnen, möchte ich auf einen Post von Kornelia Hintz verweisen: "Ich glaube, sehr viele von den Zuschauer_innen, die mir sagten, wie mutig ich sei, wünschen sich eigentlich selbst teilzunehmen, aber trauen sich nicht. Ich bin nicht mutiger als andere und die Idee zur Teilnahme kam erst letzte Woche auf. Je früher mensch den Sprung ins kalte Wasser wagt, desto besser. Enttäuschung kann doch nur aufkommen, wenn mensch zu hohe Erwartungen hat, nicht realistisch ist. Sollte mensch denn wirklich erst teilnehmen, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und mindestens B-Klasse Niveau erreicht hat? Wofür gibt es dann die anderen Klassen überhaupt? Auch Anfänger_innen und nicht A-Klasse Begabte sollen doch diese phantastische Turnieratmosphäre genießen dürfen. Den gemeinsamen Einmarsch, den eigenen Platz auf dem Parkett, die Aufregung. Wer wartet, bis er/sie so sicher ist, dass alles perfekt sein kann, der/die wird mit so hohem Druck und Erwartungen ins Turnier gehen, dass es wahrscheinlich schief geht."

Den vollständigen Post findet ihr hier:
http://www.pinkballroom.de/blog/?page_id=3412

Niemand hat etwas gegen außergewöhnliche sportliche Leistung und herausragende Paare auf der Tanzfläche. Aber in einem Gespräch am Rande des Turniers erzählte mit ein Tänzer aus Polen, dass sie jetzt in der "Tennismanschaft" auch das gleichgeschlechtliche Tanzen angefangen haben. Sie hätten es gern gesehen, wenn Paare mit nach Berlin gekommen wären. Gleichzeitig hatten sie aber Angst, wenn diese sehen, wie "perfekt" man hier tanzt, dass sie wieder aufhören.

Es bleibt also doch noch einiges zu tun, um den Spagat zwischen Breitensport und Spitzenleistungen, zwischen Anerkennung im DTV und Bewahrung der Eigenheiten des Equalitytanzsport hinzubekommen.

Nun genug diskutiert. Unser herzlicher Glückwunsch gilt an dieser Stelle allen, die den Mut hatten, am Turnier teilzunehmen. Allen Platzierten, allen Berliner Meister_innen ein besonderer Dank für ihre sportlichen Leistungen. Den Veranstaltern, Organisatoren, dem Publikum und den Sponsoren ein herzlicher Dank für die geleistete Arbeit und die besondere Atmosphäre, die sie in den Räumlichkeiten der TiB geschaffen haben.

Es geht mir in erster Linie nicht darum, Unzulänglichkeiten aufzuzeigen. Den Mitstreiter_innen von pinkballroom ist es gelungen, ein erstklassiges Turnier auf sehr hohem tänzerischen und organisatorischen Niveau auszurichten. Aber sind es nicht gerade die kleinen Unzulänglickeiten und Pannen, die ein solches Event spannend und interessant machen, die uns ins Gespräch bringen und uns auch über bereits Gesagtes, Geschriebenes oder Getanes nachdenken lassen?

Ich wünsche dem Team viele Ideen, viele Unterstützer und einen langen Atem für die Vorbereitung der Europameisterschaften 2017. "Yes they can." - Generalprobe bestanden.

Allen Fotograf_innen Dank für die sehr schönen Aufnahmen, die bereits gepostet wurden und sicher noch gepostet werden.

hier ein paar Adressen:

Fotos von Mandy Simon: https://www.flickr.com/photos/62820200@N08/sets/72157667014713960

Fotos von Karla Pixeljäger findet ihr hier:

http://karla-pixeljaeger.wix.com/dance#!berlin-open-2016/v0pz9

Fotos von Olaf Höch:

http://richtigrum.org/bilder-der-berlin-open/

Die vollständigen Ergebnisse findet ihr auf den Seiten des DVET:

http://equalitydancing.de/files/Ergebnisse/160423_obm2016/index.htm

Am Ende dann doch noch ein kleiner Hilferuf in eigener Sache: Sollte jemand im TiB einen kleinen Schokobären hilflos durch die Räume streifen sehen, kann ihn gern beim dieses Mal nicht immer ganz genderkonformen Pressewart des DVET in liebevolle Hände abgeben.

PS. Das freilaufende Bärchen hat man inzwischen eingfangen. Vieleln Dank an Kerstin und Cornelia, auch für die vielen Tipps und Hinweise. Damit ihr auf dem Laufenden bleibt, schaut öfter mal auf der Homepage von pinkballroom vorbei:

http://www.pinkballroom.de/blog/?page_id=3379

Fotos: Olaf Höch
Text: Henry Dölitzsch

 

 

 

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